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// Verdun

Zuerst wurden die H√§user reihenweise durch Kugelhagel und Brand zerst√∂rt; die D√§cher st√ľrzten ein, durchl√∂cherte verbrannte Mauern st√ľrzten auf die Stra√üe, in den Garten mitsamt ihren schiefen, krummen Dachgeb√§lk, ihrer gesch√§ndeten Intimit√§t, ihren Bettresten und Matratzen. Der Gestank eines Massengrabs h√§ngt in der Luft.
Nicht weit von den alten Toten des verw√ľsteten zivilen Friedhofs, dessen Gr√§ber offen liegen, liegen die neuen Toten in Horizontblau oder Feldgrau. Die Heftigkeit der K√§mpfe hat alles zersprengt. Die Granaten sind auf die mit dem Blut der K√§mpfenden getr√§nkten Ruinen niedergeprasselt. Sie waren √ľbers√§t mit Leichen, von den Ratten schon angefressen und in einem fortgeschrittenem Zustand der Verwesung, √ľbers√§t mit den √úberresten von Kriegsger√§t, verrosteten Gewehren, abgebrochenen Schaufeln, Stacheldraht.

[Dix mois a Verdun, Abbe Theillier De Poncheville]

Verdun ist eine friedliche Stadt. Wenn man heute durch Verdun läuft, fällt es ausgesprochen schwer, sich die Greuel, die sich vor hundert Jahren dort abgespielt haben, auch nur ansatzweise vorzustellen.

Es scheint fast so, als ob diese Stadt geradezu zwanghaft zur Normalit√§t zur√ľckfinden will. Die Schrecken des ersten Weltkrieges sind dennoch allgegenw√§rtig: das Umland ist noch immer zernarbt von Sch√ľtzengr√§ben und Granattrichtern, an quasi jeder Stra√üenecke gibt es Soldatenfriedh√∂fe, Monumente, Denkm√§ler und im Umland komplett zerst√∂rte (und nicht wieder aufgebaute) Ortschaften, welche aber immer noch einen B√ľrgermeister haben.

Es finden sich √ľberall Spuren dieser Glanzzeit der “Krone der Sch√∂pfung”.

Trotzdem: Verdun ist ein trauriger, friedlicher Wohlf√ľhlort (so widerspr√ľchlich das auch klingen mag) – und erinnerte mich von der Atmosph√§re her ein wenig an Ljubljana.

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// Eine Kurzgeschichte

Sie ist wahr.

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// K√ľstenseeschwalbe

Diese Urlaubsanekdote ist einfach zu klasse, als da√ü ich sie Euch vorenthalten k√∂nnte… :mrgreen:

Also… in der N√§he des Campingplatzes, in dessen N√§he ich die Fotos der K√ľstenseeschwalbe des letzten Blogeintrags fotografiert habe, gab es ein Restaurant. Dort wollte eine holl√§ndische Familie dinieren. Die gesamte Bagage machte sich also ausgehfertig. Im Falle des Vadders hie√ü das: Hemd, Krawatte und die Frau Gemahlin wollte √§hnlich edel gewandet auf dem Campingplatz herumstolzieren.

Die gesamte Familie hat sich also in Schale geschmissen. Derweil versuchte ich, einige der zahlreichen K√ľstenseeschwalben fotografisch festzuhalten.

Eigentlich ist das in der Theorie ganz einfach: die Biester f√ľhlen sich recht schnell gest√∂rt und greifen alles an, was sich bewegt.

W√§hrend der Holl√§nder also f√ľr einen Campingplatz geringf√ľgig overdressed darauf wartete, da√ü seine bessere H√§lfte endlich auch ausgehfertig ist, schaute er mir zu, wie ich die V√∂gel fotografierte.

Seine Frau war noch lange nicht fertig und dem Holl√§nder wurde langweilig. Ich ging zwischendurch zur√ľck zu meinem Zelt und begutachtete meine Fotoausbeute. Der Holl√§nder nutzte die Gelegenheit, holte seine Kamera und fragte mich, wie man die Viecher denn am besten fotografiert.
Ich gab ihm als erstes den wichtigsten Tip: Immer mit Regenmantel fotografieren. Der Holl√§nder schaute kurz nach oben und angesichts des strahlend blauen Himmels erkl√§rte er mich f√ľr bekloppt. Weitere Tips wollte er von mir dann nicht mehr.

Nunja, der Regenmantel ist aber das Wichtigste – vor allem dann, wenn man mit Hemd und Schlips bekleidet ist.

So ein Luftangriff sieht in etwa wie folgt aus (der geneigte Leser möge mir diese dilettantische Grafik verzeihen) :

Luftangriffe der K√ľstenseeschwalbe

Position (1) ist der Startpunkt des Luftangriffs. Die K√ľstenseeschwalbe fixiert hier ihr Ziel (den Kopf eines Fotografen zum Beispiel) und geht in den Sturzflug √ľber. Dabei wird lauthals geschrieen. Position (2) ist der Scheitelpunkt der geflogenen Parabel und die K√ľstenseeschwalbe geht wieder in den Steigflug √ľber, bis sie eine H√∂he erreicht hat, die f√ľr den n√§chsten Angriff geeignet ist – Position (3). Allerdings wird die Richtung geringf√ľgig ge√§ndert. Der zweite Anflug ist etwa orthogonal zum ersten Angriff: Position (4). Position (5) ist wieder der Scheitelpunkt der geflogenen Parabel und wieder ziemlich genau der Kopf des Fotografen. Wenn Position (6) erreicht ist, werden die Angriffe abgebrochen und die Seeschwalbe fliegt weg (Position (7)) und ein Mitk√§mpfer startet die n√§chste Attacke.

Soweit ist das alles recht harmlos. Lästig vielleicht (insbesondere deshalb, weil die Biester schon mal mit dem Schnabel auf den Kopf hacken oder mit ihren Pfoten sich in den Haaren verfangen), aber so eine Flugroute eignet sich ja auch, um die Viecher abzulichten. Das ist schließlich alles schön vorhersehbar. Und: Die Biester kommen zu einem. Man braucht also nicht mal hinlaufen.

Kritisch ist jedoch Position (8): hier entleert die K√ľstenseeschwalbe n√§mlich ihren Darm. Die Flugbahn der Vogelschei√üe habe ich rot eingezeichnet. Die Trefferquote (9) ist erstaunlich hoch. Das kann man sich durchaus so √§hnlich wie die Bombenangriffe der Stukas im zweiten Weltkrieg vorstellen – inklusive des Gekreisches (bei einer Stuka hie√ü das “Jerichotrompete”).

F√ľr meine Fotos bin ich also mit einem Regenmantel vor Vogelschei√üe gesch√ľtzt einfach mal die Stra√üe auf und ab gegangen. Es dauert nicht lange und eine M√∂we flog ihre Luftangriffe. Bei gelungenen Fotos grinste ich wohl freudig und genau dieser Anblick hat den Holl√§nder dazu inspiriert, sich ebenfalls einmal an der Tierfotografie zu versuchen.

Er st√ľrmte ebenfalls auf die Stra√üe, allerdings dauerte es ihm zu lange, bis die M√∂wen kamen. Er lief daher direkt in die Wiese hinein, wo die K√ľstenseeschwalben br√ľten. Sofort stiegen mehrere Kampfgeschwader auf und etwa 30 bis 40 K√ľstenseeschwalben verteidigten ihre Brutpl√§tze. Gleich der erste Angriff war erfolgreich: die Vogelschei√üe landete genau im Genick des Holl√§nders und flo√ü in seinen Hemdkragen. Volltreffer!

Einigerma√üen √ľberrascht griff er mit der Hand ins Genick und betrachtete die Sauce, die danach an seinen H√§nden klebte. Als er begriff, da√ü er gerade voll in die Schei√üe gegriffen hatte, wischte er seine Hand reflexartig an seiner Ausgehhose ab.

Die nächsten Treffer folgten, aber ein echter Holländer geht nicht ohne wenigstens ein Foto.
Das nun folgende Gemetzel ging etwa f√ľnf Minuten: die Seeschwalben schissen, was das Zeug hielt und der Holl√§nder fotografierte zur√ľck.
Dann gab er sich geschlagen und kehrte ordentlich mit Ruhm bekleckert zum Zeltplatz zur√ľck. Seine Frau war inzwischen ausgehfertig. Ich verstehe kein holl√§ndisch, aber die angeregte Unterhaltung des weiblichen Parts der holl√§ndischen Familie lie√ü doch einige R√ľckschl√ľsse auf den Inhalt des Gespr√§chs zu, als der Holl√§nder sich erneut umzog.

Am nächsten Tag konnte ich es mir nicht verkneifen, den Holländer zu fragen, wie denn seine Fotoausbeute geworden ist.
Ich bekam folgendes zu sehen (in mehrfacher Ausfertigung) :

Broken Spirits | Fotografie
Broken Spirits | Fotografie

Soweit noch ganz normal, von dieser Sorte Fotos habe ich auch noch einige auf der Speicherkarte. Die absolute Krönung war jedoch das hier (ich habe es mit einem Zeichenprogramm meiner Wahl nachgestellt) und es war noch nie so schwer, ernst zu bleiben bei dem Anblick von unscharfer Vogelscheiße auf der Linse:

Broken Spirits | Fotografie

Wenn der Kerl mich nicht f√ľr bekloppt erkl√§rt h√§tte, als ich den Regenmantel erw√§hnte, h√§tte ich ihm noch verraten, da√ü der Autofokus vielleicht besser in einen schnellen Modus geschaltet wird (zum Beispiel √ľber das Sportprogramm), und das er den Bildausschnitt besser etwas gr√∂√üer w√§hlt. Vielleicht noch, da√ü eine h√∂here ISO sinnvoll ist, wegen der kleinen Blende und damit der Tiefensch√§rfe. Belichtungszeit <1/800. Und so weiter – dann w√§re vielleicht sowas bei raus gekommen:

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// Islands Vögel

Islands Vögel Рan unterschiedlichen Orten während des gesamten Urlaubs abgelichtet:

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Zu den nachfolgenden beiden Fotos gibt es noch eine lustige Ankedote, in der ein holl√§ndischer Familienvater eine ma√ügebliche Rolle spielt. Dies aber im n√§chsten Blogposting ūüėČ

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// Auch in Island gibt es Rost (II)

Schade, daß man dieses alte Schiff nicht betreten konnte (jedenfalls nicht auf empfehlenswerte Weise).
Aber: ein Stativ wirkt Wunder… Einfach die Kamera draufgeschraubt, das Stativ auf maximale L√§nge gebracht und am unteren Ende gepackt und schon konnte ich √ľber die Reling fotografieren. Ganz ohne waghalsige Kletteraktionen :-)

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